Baubericht Westland Sea King 1:48

Bricht von: Dom Escher

Unsere Gedanken gehen oft ihre eigenen Wege. Ein folgenschwerer Gedanke erwischte mich an einem verregneten Novemberwochenende im Herbst 1999 beim Durchstöbern meiner Werkstatt. In meinen Schubladen fand ich ein Zahnradpaar und einen alten Speed 400. Dazu einige Kugelköpfe... Daraus müsste man einen Hubschrauber bauen können, nicht? Die Idee liess mich nicht mehr los und ein paar Wochen später war mein erster Micro-Heli in der Luft. Mit 40 cm Rotordurchmesser war meine Konstruktion damals bei den kleinsten Helis dabei. 

Einen ähnlichen Heli gab es damals erst von der Firma Ikarus mit dem Piccolo. Mit einfachsten Mitteln entstand eine Heli-Machanik mit fixem Pitch nach der einfachsten Bauart, wie sie verwendet wurXde bei den ersten RC-Helis im Stil Schlüter Helibaby oder Graupners legendäre Bell G-47. Immerhin schaffte ich damit rund 6 Minuten kontrollierten Schwebeflug mit einer Akkuladung. Dass der Heli nur sehr träge, verzögert und nicht besonders präzise auf die Steuerbefehle reagierte, störte mich wenig. Immerhin war alles Eigenbau und komplett aus Altmaterial entstanden.

 

Diese Mechanik habe ich mehrmals überarbeitet und 2003 wurde der Speed-400 durch meinen ersten Brushless-Antrieb ersetzt. Die acht 500er NC-Zellen mussten drei LiPo’s weichen. Damit wurde die Mechanik so leistungsfähig, dass ich beschloss, sie in einen Rumpf mit Einziehfahrwerk zu integrieren. Soviel zur Geschichte. Der alte Rumpfheli fliegt übrigens heute noch.



Neue Herausforderung

Die Freude an kleinen Helis wurde mit dem ersten Erfolgserlebnis umso grösser und bald begann ich, über den Bau eines neuen Modells nachzudenken. Klar, es gibt mittlerweile alles als Fertigmodell. Doch meines sollte anders sein als all die käuflichen ARF und Plug & Play-Modelle. Klein sollte es sein, originalgetreu und mit einem Mehrblattrotor ausgestattet. Zusätzlich wollte ich ein paar Sonderfunktionen einbauen. Die Wahl fiel auf den Sea King, da ich sowieso irgendwie in diesen Heli vernarrt war, ausserdem bietet der bullige Rumpf viel Platz für die Technik. Als Massstab wurde 1:48 festgelegt. Zudem würde dieser Hubschrauber perfekt zum Modellschiff meines Onkels passen. Hasegawa bietet einen Plastikbausatz im passenden Massstab an, der als Muster herhalten musste.

Der Bau begann mit einer kleinen Messreihe verschiedener Motoren, Übersetzungen und Rotorblätter, um ungefähr die Leistungsfähigkeit des Antriebs fest zu stellen. Die besseren Varianten dieser Tests erreichten mit zwei Lipo-Zellen etwas über 200g Schub. Als Motor kommt ein kleiner, selbstgewickelter Aussenläufer zum Einsatz, der eher zufälligerweise als durch langes Überlegen genau zum Modell passt.

Die Problematik des fünfblättrigen Rotors versuchte ich anfänglich sehr abenteuerlich zu lösen. Elektronische Stabilisatoren waren damals noch nicht bekannt ausser für den Einsatz beim Heckrotor. Die Grundidee war, das Lenkprinzip der Paddelstange, wie sie in den meisten RC-Helis eingesetzt wird, auf den Fünfblatt-Rotor umzubauen. Daraus resultierten verschiedene Prototypen mit kardanisch aufgehängtem Rotorkopf oder pendelnden Blättern, Umlenkhebel und, als lästiges Nebenprodukt, meist viel Unwucht. Richtig befriedigen konnte keine dieser abenteuerlichen Konstruktionen. Zwischen mehreren zeitraubenden Konstruktionsphasen blieb das Projekt immer wieder über längere Zeit in der Werkstatt liegen.



Moderne Elektronik verhilft zum Durchbruch

Der Durchbruch kam mit dem Kauf eines Mikado Mini V-Stabi. Um diesen Stabilisator konstruierte ich eine komplett neue Mechanik. Die Blatthalter fertigte ich aus Heckrotorblatthaltern des kleinen Gaui 250, Taumelscheibe sowie Zentralstück und der ganze Rahmen sind Eigenbau. Nervenaufreibend war dabei besonders das Gewindeschneiden mit extra für dieses Projekt angeschafften Gewindebohrern der Grössen M 1,2 bis M 1,6. Bei der Formgebung des Rahmens achtete ich darauf, dass alle technischen Elemente so angeordnet wurden, dass sie vollständig in den Rumpf integriert werden konnten, jedoch musste ich den Raum des Cockpits frei halten für den späteren Scale-Ausbau. Bei der ganzen Tüftelei mussten die Teile so angeordnet werden, dass der Schwerpunkt auf die Rotorwelle zu liegen kommt. Und irgendwie müsste am Schluss noch ein Einziehfahrwerk mit seinem ganzen Gestänge in die Geschichte integriert werden können. Um die Sache nicht noch komplizierter zu machen, entschied ich mich dafür, einen kleinen Brushlessmotor für den Heckrotor zu verwenden. Eine Heckwelle mit verstellbarem Heckrotor hielt ich für kaum machbar und zu schwer. Für die ersten Testflüge musste eine dem Sea King nachempfundene Depronkiste herhalten.




Rumpfbau

Nach den ersten erfolgreichen Tests konnte mit dem Bau des Modells begonnen werden. Für gewisse Teile stellte ich Negativformen her anhand des Plastikmodells. Viele Kleinteile konnte ich auch gleich übernehmen. Die Rumpfhälften habe ich aus zwei bis drei Lagen 25er Glasgewebe laminiert, zusammengefügt und später lackiert. Eine grosse Öffnung vom Rotordom bis zur Rumpfnase gewährt genügend Zugang zur Mechanik. Diese wird in den Rumpf geschoben und lediglich durch zwei Schrauben fixiert. Besondere Beachtung schenkte ich dem Cockpit-Ausbau.  



Innenausbau

Nicht weniger als eine ganze Woche Arbeit steckte ich in den eierschalengrossen Arbeitsplatz der Piloten. Die Sitze wurden mit einer Lage Klopapier überzogen, das ich mit Farbe auf den Sitz klebte. Winzige Sitzgurte wurden an ihren Platz gebracht, Kupferlitze zu Spiralkabeln geringelt und Farbtupfer mit einer Nadelspitze auf Knöpfe und Schalter aufgetragen. Einige Teile stammten aus dem Plastikbausatz, das Instrumentenbrett konnte ich von Italeri übernehmen und andere Details entstanden in feinster Handarbeit teils unter der Lupe. Nur schade, dass man davon im fertigen Modell kaum was sieht.



 

Fahrwerke

Eine Besonderheit des Modells sind die einziehbaren Hauptfahrwerke. Sie sind vorbildähnlich konstruiert und sogar gefedert. Das Hartlöten der rund 20 Einzelteile des Hauptfahrwerks war eine spezielle Herausforderung, ebenso die Herstellung der Gelenke aus Messing mit ihren 0,5-Millimeter-Stiften. Beim Versuch, mit Silberlotstäbchen zu arbeiten, wurden die einzelnen Teile von den flüssigen Lottropfen regelrecht ertränkt. Zum Erfolg führte eine eigens hergestellte Lötpaste aus pulverisiertem Silberlot, gemischt mit Flussmittel. Diese Mischung wurde mit einem feinen Pinsel auf die Lötstelle aufgetragen und führte zu wesentlich besseren Ergebnissen, da ich die Silberlotmenge so viel besser dosieren konnte. Die Fahrwerksbeine sitzen auf einer Achse, die quer durch den Rumpf verläuft. Eingezogen wird das Fahrwerk über ein Micro-Servo, was bei dieser Grösse vollkommen ausreicht.
Das Heckfahrwerk besteht aus einem Messingröhrchen, das das Federbein aufnimmt. Daran ist ein kleiner Stahlträger montiert, an dem ich den Ausleger befestigt habe. Die ganze Einheit ist drehbar gelagert, bewegt sich aber nur passiv. (Was beim Original vermutlich genau so funktioniert) Alle Federn der Fahrwerke stammen übrigens aus den Befestigungsstiftchen von Uhrenarmbändern.



Einfliegen

Recht schwierig gestaltete sich das Einstellen des elektronischen V-Stabi. Mein Heli bewegt sich vollständig ausserhalb der üblichen Grössen, für welche dieser Stabilisator gebaut wurde. Somit musste die gesamte Einstellung erflogen werden und ich konnte auf keine Grundwerte zurückgreifen. Aus Platzgründen musste ich den Stabi 90 Grad gedreht einbauen, was die Einstellarbeiten zusätzlich erschwerte. Schwebeflug gelingt nun recht gut, der Vorwärtsflug wirkt noch recht bockig. Vielleicht finde ich ja eines Tages noch bessere Einstellungen.
Das Projekt ist mit den ersten Flügen natürlich noch nicht beendet. Der Heli hat noch viele Schwachstellen, die ich ausbessern muss. Die ersten Flüge zeigten noch etliche Mängel auf und die Mechanik musste X-mal ausgebaut und verbessert werden. Auch an der Ausstattung könnte man noch lange arbeiten. Ein nächster Schritt wird bestimmt der Bau eines vernünftigen Heckrotors sein. Der verwendete GWS-Propeller erfüllt zwar seinen Zweck, trübt aber den Gesamtwindruck doch beträchtlich. An Ideen fehlt es nicht und die Nächste Bausaison kommt bestimmt!

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